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STRESS
Gerhard Uhlenbruck: “ Stress: Man wehrt sich gegen eine Erniedrigung mit einer Erhöhung von Blutdruck und Puls. Freude bewirkt zwar das gleiche, doch das schadet nicht, da sie nie lange dauert.”
“...Das Thema Stress ist aus der Humanmedizin und -psychologie schon lange nicht mehr wegzudenken. Wisenschafftliche Studien haben bewiesen, dass Stress zu gesundlichen Problemen führt, unsere zwischenmenschlichen Beziehungen belastet und uns unausgeglichen, gereizt und aggressiv gegenüber unserer Umwelt macht... Das Thema wurde in Bezug auf unsere vierbeinigen Begleiter lange Zeit unterschätzt. Erst in den letzten Jahren wurde ernsthaft darüber nachgedacht, wie viel Stress ein Hund eigentlich ertragen kann, bevor es zu überschießenden Reaktionen oder gesundheitlichen Problemen kommt. Und bisher wurde kaum über Stress bei Hunden oder anderen Haustieren geforscht. Aber was tun? Alle Hunde abschaffen, weil sie nur noch als gestresste Nervenbündel herumlaufen und wir ihnen das nicht zumuten wollen? Sicher nicht! Durch die bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema ist der erste Schritt zur Veränderung getan. Wenn wir erkennen, wann und weshalb unser Hund gestresst ist, können wir Konfliktsituationen entschärfen oder sie gar nicht aufkommen lassen....
...Was ist Stress? Die meisten Definitionen beschreiben Stress als einen Zustand, in dem ein Organismus auf eine innere oder äußere Bedrohung reagiert und seine Kräfte darauf konzentriert, die Gefahrensituationen zu bewältigen...Das Erleben von Stress und auch die vom Organismus entwickelten Bewältigungsstrategien können individuel bei Menschen wie bei Hunden verschieden sein. Erleben zum Beispiel mehrere Hunde die gleiche Situation, so kann es sein, dass einige sie gar nicht als belastend empfinden, während andere deutlich gestresst reagieren. Von denen, die gestresst reagieren, können ganz unterschiedliche Symptome und Bewältigungsstrategien gezeigt werden. In den spezifischen Konzepten der Stressforschung konzentriert man sich vor allem auf die auslösenden Reizsituationen, die so genannten Stressoren. Man unterscheidet: äußere Stressoren wie Überflutung der Sinnesorgane mit Reizen oder den Entzug von Reizen (Deprivation), Schmerzreize und reale oder simulierte Gefahrsituationen
- Entzug von Nahrung, Wasser, Schlaf, Bewegung, sodass primäre Bedürfnisse nicht mehr befriedigt werden können
- Leistungsstressoren, zum Beispiel Überforderung, Unterforderung, bevorstehende Prüfungen, mögliche Versagen, Zurechtweisung oder Strafe
- soziale Stressoren, wie zum Beispiel Isolation bei der dauerhaften Ausgrenzung des Hundes aus unserem Lebensumfeld
- vornehmlich psychische Stressoren wie Konflikte, Unkontrollierbarkeit, Angst und Erwartungsunsicherheit
Die Reaktion auf Stress kann in drei aufeinander folgenden Phasen unterteilt werden:
- Die Alarmreaktionsphase - In der Phase führt das Zusammenspiel von Nervenimpulsen und Hormonausschüttungen zur optimalen Reaktionsbereitschaft.
- Die Widerstandsphase -In dieser zweiten Phase ist der Widerstand gegenüber dem Auslöser erhöht und gegenüber anderen Reizen herabgesetzt. Dies bedeutet, dass der Bewältigungsversuch zu Lasten der Widerstandsfähigkeit gegenüber anderen Stressoren geht.
- Die Erschöpfungsphase - Hält der Stress zu lange an, kann der Organismus ihm trotz der ursprünglich erfolgen Annpassung nicht mehr standhalten. Die Symptome der Alarmreaktion aus der ersten Phase stellen sich wieder ein, sind jetzt aber dauerhaft. Diese anhaltende Hochspannung kann im Zusammenwirken mit anderen Risikofaktoren zur Ausbildung organischer Krankheiten und im Extremfall sogar zum Tod führen.
...Es gibt ein paar Punkte, die man grundsätzlich beachten kann, um den Stresspegel eines Hundes so niedrig wie möglich zu halten:
- Ausreichend viele Ruhephasen im Tagesablauf...
- Ihr Hund sollte die Möglichkeit haben, instinktive Verhaltensweisen auszuleben... die unglaublichen Fähigkeiten seiner Nase einzuüben.
- Geben Sie Ihrem Hund Zeit für Erkundungsverhalten. Dies gilt besonders, wenn er zum ersten Mal einen neuen Ort besucht... Lassen Sie ihn in aller Ruhe die neue Umgebung erkunden...
- Sollten Sie ein Seminar oder Ähnliches mit Ihrem Hund gemeinsam besuchen, lassen Sie ihn selbst wählen, ob er sitzen, liegen oder stehen möchte.So ist es für Ihren Hund möglich, die für ihn bequemste Position einzunehmen. Verlangen Sie nicht, dass er dauernd Kommandos wie “sitz” oder “mache Platz” ausführt. Kontrollieren Sie sich selbst, wie oft Sie, vielleicht ganz in Gedanken, etwas von ihm verlangen und ziehen Sie die Bremse, wenn es zu viel ist. Verhält sich Ihr Hund unruhig, versucht auszuweichen oder schaut er oft zur Ausgangstür, so ist es ein sicheres Zeichen dafür, dass es ihm zu viel wird...
- Ihr Hund sollte die Möglichkeit haben, sich zu lösen, wenn er dies muss...
- Nach aufregenden Unternehmungen sollten Ruhephasen folgen...
- Erwarten Sie weder von sich noch von Ihrem Hund zu viel auf einmal! ....”
Aus dem Buch: Martina Nagel und Clarissa v. Reinhard - Stress bei Hunden (ISBN 3-936188-04-1)
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