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Calming Signals

Mark Twain: “ Freundlichkeit ist eine Sprache, die Taube hören und Blinde lesen können. ”  

“...In der Literatur über Wölfe finden wir bestimmte Merkmale ihrer Körpersprache beschrieben, die als “cut off  signals” bezeichnet werden, weil die Beobachter gesehen haben, wie der Gebrauch dieser Signale Agression stoppte. Diese Signale sind seit vielen Jahren bekannt und in zahlreichen Büchern geschildert worden. Dieselben Autoren meinen aber offenbar, dass Hunde nicht über diese Eigenschaften der gegenseitigen Aggressionshemmung verfügen - aber da irren sie sich. Hunde haben dieselben sozialen Fähigkeiten, Konflikte abzuwehren, wie Wölfe. Den Beobachtern sind diese Signale vielleicht nur entgangen, denn Wölfe kommunizieren   meist viel intensiver und direkter miteinander. Unsere domestizierten Hunde können zwar ebenfalls sehr deutlich und direkt sein, aber si haben auch eine unauffällige und feiner Sprache - manchmal sprechen sie sozusagen in Kleinbuchstaben. Und um diese kleinen, feinen Signale zu erkennen, ist ein wenig Training nötig, vor allem, wenn man es nicht gewöhnt ist, auf sie zu achten.

Als wir begannen, uns mit diesen Signalen zu beschäftigen, nannten wir sie “beschwichtigende Signale”. Es wäre nicht ganz richtig, sie als Stoppsignale zu bezeichnen, weil die Hunde sie in der Regel bereits einsetzen, bevor es etwas zu stoppen ist. Sie dienen als reine Vorbeugungsmaßnahme, um Konflikte gar nicht erst entstehen zu lassen. Die Hunde benutzen sie oft in einem frühen Stadium des Geschehens, um zu verhindern, dass eine Situation eskaliert. Wenn beispielweise ein Hund zur Tür hereinkommt und Hunde oder Menschen im Raum entdeckt, wird sein erstes Signal sofort ausdrücken, wie freundlich er ist und dass er nicht die Absicht hat, einen Konflikt anzuzetteln. Wenn Sie mit Ihrem Hund spazieren gehen und ganz am Ende der Straße kommt Ihnen ein Hund oder Mensch entgegen, wird das erste Signal Ihres Hundes dem Entgegekommenden zu verstehen geben, dass er nichts Böses zu befürchten hat.

Diese Signale werden zur Vorbeugung von Konflikten eingesetzt, also lange bevor ein Konflikt entsteht. Sie sollen Bedrohungen und Probleme vermeiden, Stress und Unruhe, Nervosität, laute Geräusche und andere unangenehme Dinge beschwichtigen... Hunde sind Rudeltiere, deren Sozialverhalten zu einem wesentlichen Teil durch Konfliktvermeidung bestimmt ist. Wenn zwischen uns und dem Hund Konflikte entstehen, müssen wir den Fehler oft bei uns selbst suchen, denn dort liegt er in den allermeisten Fällen. Hunde, die während ihres Aufwachsens normale Möglichkeiten hatten, ihre Sprache im Zusammensein mit anderen Hunden zu entwickeln, werden in Regel sozialverträgliche Tiere mit der Fähigkeit, Konflikte zu lösen. Haben sie einen Teil dieses so wichtigen Kommunikationssystem verloren, dann oft deshalb, weil sie von Menschen, die diese Signale falsch interpretierten oder nicht erkannten, bestraft wurden, als sie zu beschwichtigen versuchten. So wagen sie es nicht mehr, diese Signale einzusetzen. Manchmal haben sie ihre Sprache auch auf Grund von fortgesetztem Mobbing durch Attacken anderer, vieleicht aggressiver und schlecht sozialisierten Hunde verloren, die sie trotz aller Beschwichtigungsversuche angegriffen haben.

Sofern sie einen Teil ihrer Sprache und die Fähigkeit zum sozialen Umgang behalten haben, versuchen Hunde jedenfalls ganz eindeutig, Konflikte zu vermeiden......Wir konnten die Ereignisse eines ganzen Tages durchgehen, was ein Hund an Gutem oder Schlechtem erlebt. Die Hunde antworten uns, wie sie sich gegenseitig antworten, und wenn ein Hund ein Signal aussendet, erwartet er, dass darauf eine Reaktion folgt. Genau wie wir “Guten Tag” sagen und zu Recht gekränkt sind, wenn der oder die Betreffende grußlos an uns vorbeigeht. Wenn wir auf den Hund zugehen, uns über ihn beugen, ihn fest umarmen, ihn drücken oder ihn scharf ansprechen - also Dominanz durch Verhalten und Stimme zeigen - wenn wir schimpfen und rennen und lärmen, wenn die Familienmitglieder streiten und schreien, wenn die Kinder herumtoben, wenn wir den Hund nicht in Ruhe lassen, obwohl er das wünscht, und in vielen anderen Situationen wird der Hund ein Signal aussenden, das uns - je nach Stimmungslage - weniger aggressiv, weniger streng, weniger aufgeregt stimmen soll.

Manchmal kommen die Signale durch kleine, blitzschnelle Gesten zum Ausdruck, so das schwer ist, sie überhaupt wahrzunehmen. Dann wieder werden sie einige Sekunden lang behalten, so dass Sie die Chance haben zu erkennen, was da passiert. Mit etwas Training wird es Ihnen leichter fallen, sogar winzige Signale zu sehen, wie das blitzschnelle Lecken oder die kaum merkliche Kopfdrehung. Dazu ist nicht mehr nötig als ein wenig Übung und natürlich auch, dass Sie wissen, worauf Sie achten müssen.”

Aus dem Buch:

Turid Rugaas - Calming Signals (ISBN 3-936188-01-7)

 

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